Kongress der Wine Educators

Nach einer einjährigen coronabedingten Pause wurde heuer der Kongress der Wine Educators der Weinakademie Österreich nachgeholt. Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen folgten zahlreiche Wine Educators und Weinfreunde der Einladung nach Krems.

Von 5.bis 7. November 2021 lud die Österreichische Weinakademie wieder ein, sich ein ganzes Wochenende dem Wein zu widmen. Schauplatz und Ausgangspunkt dieses Jahr war das Hotel Steigenberger in Krems, tatkräftig unterstützt durch die Schülerinnen und Schüler der Tourismusschule Krems. Das großartige Programm spiegelte all die Facetten wider, die die Wachau, aber auch ihre Nachbarn zu bieten haben.


Die Wachau – Terroir und Qualität

Den Auftakt des Kongresses übernahmen der Winzer Emmerich Knoll, Obmann der Vinea Wachau und Roman Horvath, Master of Wine und Geschäftsführer der Domäne Wachau. Beide hoben die Bedeutung der Wachau als Tourismus-, Marillen-, Kultur- und Weinbauregion hervor. Die Einzigartigkeit der Wachau als Weinbaugebiet basiert auf der besonderen Gesetzgebung durch die Natur sowie auf der Verbundenheit des Weins mit allen Menschen hier in der Region.

Danach folgte ein kurzer Überblick über die Wachauer Weingeschichte sowie über die Inhalte und Ziele der 1983 gegründeten Winzervereinigung Vinea Wachau. Bereits in den 1960er Jahren war unter den Winzern ein intensiver Qualitätsgedanke vorhanden. Der Begriff Terroir spielt bei den rund 200 Mitgliedern bereits seit über 30 Jahren eine beachtliche Rolle. Durch die Beschäftigung mit dem Gebiet wussten sie auch, wie bedeutend die verschiedenen Handschriften und Interpretationen der Lagen seit jeher sind.

Durch die rund 600 Weinbaubetriebe in der Wachau gibt es eine 100%ige qualitative Abdeckung der Rebstöcke. Aus diesem Grund ist es auch so wichtig, die kleinstrukturierten Betriebe zu erhalten, um weder Flächen noch Knowhow zu verlieren. Noch dazu ist der Zeitaufwand für die Weinbearbeitung in den Terrassen pro Hektar um ein 4-6-faches höher als normal. Daher war auch die Entwicklung in Richtung einer nachhaltigen Bewirtschaftung ein großer und wichtiger Schritt in der Vinea Wachau, der gemeinsam entschiedenen worden ist.

Selbstverständlich wurde auch über die seit dem Jahrgang 2020 in der Wachau geltende DAC Regelung ausführlich gesprochen. Herkunft, Kontrolle und Garantie sind wichtige Faktoren, um die österreichischen Weine vor allem auch im Ausland optimal zu positionieren. Hier in der Wachau wird Terroir und Herkunft bereits seit 30 Jahren fokussiert, und mittels der bekannten Weinstilklassifikation Steinfeder, Federspiel und Smaragd auch weltweit etabliert. Zentrales Anliegen war und ist es, den Namen Wachau auf jeder Flasche stehen zu haben. Somit wurde in den letzten knapp acht Jahren hinterfragt und evaluiert, um die beiden Denkschulen nebeneinander existieren lassen zu können. Es wurde nun das DAC-System dazu entwickelt und das alte System des Weinstils weder abgeschafft noch ersetzt. Das Ziel das Terroir im Wein wiederzufinden und die Lage im Wein spürbar zu machen, vereint die beiden Reglements.

Für die Zukunft der Wachau plädiert Emmerich Knoll langfristig zu denken und sich weiterhin darauf zu besinnen, was die Winzer hier in der Wachau können. Kurzfristigen Trends wären für die Wachau und deren äußere Wahrnehmung nicht glaubhaft. Mit dem Festhalten an der Qualität sieht er der Zukunft äußerst positiv entgegen. Ebenso wie auch Roman Horvath, der die Wachau als Weißwein-Spitzengebiet weiter positionieren will, mit dem Bewusstsein, dass authentisches Handwerk zwar teuer aber den Preis allemal wert ist.


COVID - Herausforderung oder Chance?

Seit Anfang 2020 ist Chris Yorke der neue Geschäftsführer der Österreich Wein Marketing. Zuvor war der gebürtige Brite fünfzehn Jahre für die Entwicklung und Förderung der weltweiten Vermarktung des neuseeländischen Wein verantwortlich und schrieb damit bereits Erfolgsgeschichte. Er beschreibt Österreich als ein hochwertiges, umweltbewusstes und traditionell wie auch modernes Weinland. Neben internationaler Marktforschung zur Wahrnehmung von österreichischem Wein, war es eines seiner ersten großen Ziele, den Weintourismus in Österreich zu pushen. Dann kam Corona und eine Strategieänderung musste her. Diese präsentierte er mit zahlreichen spannenden Aktionen, die er mit seinem Team in kürzester Zeit entwickelt und erfolgreich umgesetzt hat. Schwerpunkt lag dabei weiterhin darauf Österreich als Weintourismusland zu promoten, was ihm mit der größten Weintourismuskampagne „Auf zum Wein“ auch gelungen ist. Diese weintouristische Plattform vereint Informationen zu Winzern, deren Veranstaltungen, Ab-Hof-Verkauf und Übernachtungsmöglichkeiten sowie weitere interessante Events und Angebote für Weinfreunde. Parallel dazu wurde der Onlinehandel der Winzer ausgebaut und beworben, wodurch diese weiterhin ihren Wein verkaufen konnten und die KonsumentInnen einen besseren Wein zuhause hatten. Mit den zahlreichen qualitativen und exklusiven virtuellen Weinverkostungen ist Yorke und seinem Team ein weitere Clou gelungen. Insgesamt gab es seit Corona 120 Veranstaltungen mit 5000 Weinen von 700 Winzern. Zu guter Letzt stellte er noch den ersten digitalen Weinatlas vor. Auf www.riedenkarten.at finden sich alle Infos vom Weinland Österreich bis zur einzelnen Riede. Hier können Weinfans ihr Weinwissen erweitern, Expertisen vertiefen, Rieden erkunden und einzigartige Plätze finden – sprich die Herkunft des Weins virtuell entdecken. Den kurzweiligen und informativen Vortrag beendete Chris Yorke mit der Antwort auf die Frage im Titel. Für ihn war COVID Herausforderung und Chance zugleich.

Nach dem Mittagessen stand noch ein überaus interessanter Vortrag von DI Dr. Rudolf Schmid auf dem Programm. Unter dem Titel „Österreich Update – was tut sich in der Branche?“ bekam das Publikum überaus interessante Einblicke in die Arbeit in Brüssel. Neben zahlreichen Infos zum GAP Reformpaket 2020 wurde der Entscheidungsprozess im Machtzentrum der EU erklärt. Weiteres gab es einen kurzen Überblick über die neuesten Regelungen, die Lagenklassifzierungen, die DAC-Familie, den INVEKOS Flächenkataster bis hin zu den COVID-Hilfsmaßnahmen und der EU-Krisendestillation.


Auf zum Wein

Traditionell war auch dieses Jahr ein Nachmittag dem Besuch der Weingüter gewidmet. In Kleingruppen ging es auf zu insgesamt elf Betrieben. Mit dabei waren namhafte Wachauer Größen sowie ambitionierte Jungwinzer. Die diesjährige Entscheidung, die Gruppen gleich vorab den Winzer zuzuteilen, machte die Sache noch spannender. Es gab Riedenwanderungen, Kellerbesichtigungen und natürlich Verkostungen, ehe sich alle gemeinsam im Hof des Schloss Spitz trafen, um die Weine der jeweiligen anderen Betriebe zu verkosten. Abschluss des Abends war das Abendessen im Renaissance-Saals des Schlosses, mit einer Magnum-Weinbegleitung von allen teilnehmenden Winzern. Ein durchaus stilvoller Ausklang des aufregenden ersten Tages des Weinkongresses.


Die Nachbarn der Wachau

Auftakt des zweiten Tages war einen Panelverkostung und Diskussion der benachbarten Weinbaugebiete der Wachau mit Michael Moosbrugger vom Schloss Gobelsburg aus dem Kamptal, Markus Huber aus dem Traisental, Michael Malat aus dem Kremstal und Johann Donabaum als Lokalmatador. Alle vier betonten die Gemeinsamkeiten der vier verschiedenen Gebiete sowie die Verbundenheit des Kremser Raums. Der Spitzer Graben als besondere Lage war Auftakt der Verkostung mit den Weinen von Johann Donabaum. Michael Moosbrugger sprach als Obmann der Österreichischen Traditionsweingüter über die Entstehung und Bedeutung der Lagenklassifikation. Der Herkunftsgedanke wurde natürlich auch von Markus Huber und Michael Malat weiter ausgeführt und in den Weinen widergespiegelt. Ziel aller ist es, diesen auf eine gesetzliche Basis zu bringen und auch über den Donauraum hinaus auszuweiten.


Drei Jahrzehnte Weinwunder aus Österreich aus 3 Bundesländern

Für diese Panelverkostung saß eine geballte Ladung an profundem Weinwissen am Panel. Alle drei österreichischen Master of Wine gaben sich die Ehre, ihre drei „Lieblingsweine“ aus ihren Bundesländern vorzustellen und natürlich mit den Wine Educators zu verkosten. Den Auftakt machte Andreas Wickhoff, der 2012 in die Riege der MW aufgestiegen war und somit der „Jüngste“ der Runde ist. Bevor er seine drei Weine aus seiner Heimat der Steiermark zum Besten gab, erzählte er von seinem Weg zum Wein und über seine beruflichen Stationen, die ihn quer durch die Weinwelt geführt haben, ehe er 2016 als Geschäftsführer die Geschicke des renommierten Weingutes Bründlmayer übernommen hat. Die nächste Verkostung führte uns wieder zurück nach Niederösterreich zu Roman Horvath, Geschäftsführer der Domäne Wachau und seit 2009 Master of Wine. Der gebürtige Weinviertelter schilderte ebenso seinen beruflichen Werdegang und gab einen kleinen Einblick in die herausfordernde Ausbildung zum MW. Zum Schluss führte uns die Reise durch „Drei Jahrzehnte Weinwunder Österreich“ ins Burgenland, in die Heimat von Dr. Josef „Pepi“ Schuller, seit 1991 Geschäftsführer der Österreichischen Weinakademie und seit 1998 Master of Wine, der erste in Österreich. Er nahm das Publikum mit auf seine persönliche Reise durch die Weinwelt und beeindruckte mit lustigen Anekdoten und natürlich eindrucksvollen Erlebnissen und Errungenschaften, die allesamt maßgeblich für den Österreichischen Wein waren und sind.


Die Wachauer Querdenker und Shootingstars

Im Allgemeinen verbindet man die Wachau und ihre Winzer mit Traditionen, Generationen und Stabilität. Umso interessanter war die nachfolgende Panelverkostung der Wachauer Querdenker und Shootingstars. Wobei das eine das andere nicht unbedingt ausschließen muss. Den Beginn machte Heinz Frischengruber, Önologe und Kellermeister der Domäne Wachau. Die Tiefe an unterschiedlichen Terroirs macht ihn zu einem sehr starken Verfechter dessen, trotzdem oder gerade deshalb blickt er aber sprichwörtlich gerne über den Tellerrand hinaus. So werden seit geraumer Zeit Weine in Amphoren, Betoneiern aber auch im Wachauer Marmor erzeugt. Seine beiden Verkostungsweine aus der „Backstage“ Linie waren ein spannendes und authentischen Beispiel für Weine abseits des klassischen Wachauer Stils.

Der nächste Flight entstammt einem noch relativ jungen Weingut zweier Shootingstars. 2014 gründeten der Pfälzer Michael Linke und der Wachauer Franz Hofbauer die Grabenwerkstatt. Die Idee dazu entstand jedoch schon ein Jahr davor bei einem gemeinsamen Ausflug nach Neuseeland. Die vier Hektar Rebflächen wurden im Spitzer Graben neu mit Grüner Veltliner und Riesling ausgepflanzt. Die beiden Winzer versuchen jede Riede in ihrer Essenz zu verstehen, ihren Eigenheiten auf den Grund zu gehen und diese so präzise wie möglich in die Flasche zu bringen. Alle Weine werden gleich vinifiziert, der Gerbstoff wie auch die Säure geben die Struktur und sorgen für eine karge, straffe Mineralik, im Bewusstsein, mit diesen Tropfen keinen „Everybody‘s Darling“ zu schaffen.

Zwei große Namen und zwei starke Persönlichkeiten sind für die nächsten beiden Weine verantwortlich. Seit 2006 führen Elisabeth Pichler und Erich Krutzler unter dem Label „Pichler-Krutzler“ ihr gemeinsames Weingut in der Wachau und erzeugen charaktervolle Weine mit Passion, Respekt und ohne aufwendige Technologie. Nach dem Studium an der BOKU und der Arbeit im elterlichen Betreib ging Erich Krutzler für neun Jahre nach Slowenien zu Dveri-Pax und Marof, ehe er 2007 mit seiner Frau den ersten Wachauer Wein kelterte. Trotzdem sie beide aus renommierten Weingütern stammen, wollten sie von Beginn an ihr eigenes Weingut, das Weine hervorbringt, die ihrer besonderen Herkunft in jeder Hinsicht gerecht werden. Den Abschluss dieser Verkostung machte Peter Veyder-Malberg vom gleichnamigen Weingut. Er hat es sich zum Ziel gemacht, exponierte Terrassen mit besonders alten Reben vor der Rodung zu bewahren. Die Bewirtschaftung ist zertifiziert biologische und erfolgt ausnahmslos in aufwendiger und zeitintensiver Handarbeit. Die Ernteentscheidung trifft der gebürtige Salzburger, der bis zur Gründung seines Weinguts 2008 unter anderem 14 Jahre als Betriebsleiter im Weingut Graf Hardegg tätig war, nicht durch die Zuckergrade der Trauben, sondern durch deren tatsächliche physiologische Reife und den pH-Wert des Mostes. Daraus entstehen elegante, süffige, balancierte Weine, die den einzigartigen Charakter von Sorte und Weingarten erhalten. Eine Besonderheit war der Grüner Veltliner Alter.Native, dessen Trauben er für 17 Tage – wie Rotwein – mit den Schalen vergoren hat, bevor sie abgepresst wurden.


25 Jahre Rotweinwunder im Burgenland

Den Abschluss des zweiten Kongresstages machte eine äußert spannende Panelverkostung des Vereins Renommierte Weingüter Burgenland. Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums 2020 kamen fünf der zwölf Winzerinnen und Winzer nach Krems, um auch mit den Wine Educators nachträglich zu feiern. Sie alle verstehen sich als Pionierbetriebe und Botschafter des burgenländischen Weins, ebenfalls wie hier in der Wachau der Herkunft verpflichtet und mit einem klaren Bekenntnis zu naturnahem Weinbau, Handwerk, Vielfalt und Individualität. Selbstverständlich waren auch in diesem Panel DAC, Herkunft und Lagen themengebend. Mit Josef Umathum, Clemens Reisner, Michael Kerschbaum, Alexander Leberl und Kurt Feiler-Artinger waren nicht nur generationenübergreifend, sondern auch quer über das Burgenland verstreut, namhafte Top-Betriebe vertreten, die jeweils zwei herausragende Weine mit im Gepäck hatten, um die ganze Bandbreite an Qualität, Charakter und Geschmack sowie deren Potenzial abzubilden.


Die Wachauer Legenden

Einen wahrlich fulminanten Abschluss des Kongresses bot am Sonntag die Panelverkostung mit den Wachauer Granden. Zuvor gab der ehemalige Chef der Österreich Wein Marketing Willi Klinger noch einen „Blick zurück in die Zukunft“. Er gab Auszüge seiner Reise durch die internationale wie auch durch seine ganz persönliche Weinwelt zum Besten. Seine Weinbegeisterung war in jedem Winkel des Raums spürbar und er hat wieder einmal mehr sein inneres Feuer, seine Begeisterung und seinen Schmäh an das Publikum weitergegeben. So führte er schließlich auch durch die Verkostung der Wachauer Legenden, die allesamt ganz tief in die Schatzkiste gegriffen haben. Toni Bodenstein vom Weingut Prager, Leo Alzinger, Franz Hirtzberger und Emmerich Knoll hatten sich die Zeit genommen, gemeinsam mit den Teilnehmerinnen des Kongresse einige ihrer kostbarsten Raritäten zu verkosten. Der Andrang für Fotos, den dieses Zusammentreffen auslöste, war Zeugnis dafür, dass es sich um ein äußerst besonderes Ereignis gehandelt hatte, diese vier Legenden des österreichischen Weinbaus aus der Wachau an einem Tisch zu haben. Ein Staraufgebot der Extraklasse – legendäre Winzer mit legendären Weinen am Ende eines legendären Kongress der Wine Educators.




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